Sehr geehrte Damen und Herren,
Im August 2010 hat die Firma seeconsult im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes FREEMAN eine Umfrage zum Hochwasser der Innerste aus dem Jahre 2007 durchgeführt. Dabei ging es vordergründig nicht um technische Aspekte wie Pegelstände, Anzahl der überfluteten Keller oder Dauer des Hochwassers sondern um die subjektive Meinung einzelner Personen zu den Ereignissen und Abläufen des Innerstehochwassers vom September 2007. Trotz großer Bemühungen, unter anderem haben wir eine Pressemitteilung in der HAZ sowie eine Anzeige in den Holler Nachrichten bzw. im Samtgemeindeboten geschaltet, ist es uns nicht gelungen, mehr als 26 vollständig ausgefüllte Fragebögen zu bekommen. Diese Umfrage kann daher nicht als repräsentativ angesehen werden.
Nichtsdestotrotz, möchten wir eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse veröffentlichen, und den Teilnehmern, die sich der Mühe unterwarfen, den Fragebogen vollständig aus zu füllen auf diesem Wege danken. Trotz der geringen Beteiligung spiegelt diese Umfrage die Mannigfaltigkeit der Meinungen über Hochwasser und die Art und Weise des Umgangs mit Hochwasser wieder.
Eine kurze Zusammenfassung der Resultate
Aus den Antoworten kann man schließen, dass die Beantworter der Umfrage sehr interessierte, gut informierte und aufmerksame Bürger auf gutem bis sehr gutem Bildungsniveau sind:Die Meinungen über die Arbeit der zuständigen Behörden sind geteilt.
- Alle Teilnehmer haben eine Berufsausbildung, wobei knapp dreiviertel eine noch weitergehende Ausbildung besitzen;
- Der überwiegende Teil der Antwortenden (über 80%) glaubt, dass ein Hochwasser ein hohes Bedrohungspotential für die Gemeinde darstellt, und sich jederzeit wiederholen kann;
- Eine Mehrheit (über 60%) befindet, dass Hochwasser ein wachsendes Problem in Zusammenhang mit den Auswirkungen des derzeit von vielen Wissenschaftlern Problems des Klimawandels ist;
- Nahezu jeder ist sich bewusst, was eine hochwassergefährdete Zone ist, und ob sich ihr/sein Haus in dieser Zone befindet,
- Die Gesamtheit aller Teilnehmer teilt sich in zwei Lager: 1) die Geschädigten (etwa ein Viertel) und 2) jenen, die keinen materiellen Schaden erlitten;
- Die Anzahl der Menschen, die sich auf ein Hochwasser vorbereitet haben verteilt sich über die ganze Bandbreite: von 38% ohne Schutz bis zu 15% allumfassend geschützten Gebäuden;
- Die meisten Teilnehmer sind versichert, und etwa 45% haben sogar eine allumfassende Versicherung mit Hochwasserschutz.
Die hier vorgestellte Auswertung der Antworten sind direkte Ergebnisse ohne die Anwendung statistischer Verfahren wie Korrelationen. Das wäre auch in Anbetracht der geringen Zahl der Antworten nur mit Vorsicht zu verwerten.
- Genau die Hälfte der Befragten kennt kein Hochwasserfrühwarnsystem. Nur 15% kennen ein solches System und wissen sich bei Warnungen richtig zu verhalten;
- Die Mehrheit (etwa 85%) glaubt, dass ihre Gemeinde nicht genügend finanzielle Mittel zum Schadensausgleich bzw. zur Vorbeugung hat. So haben auch die allermeisten der vom Hohcwasser 2007 Betroffenen keinen oder ungenügend Ausgleich erhalten (das bezieht sich nicht (nur) auf die Gemeinde sondern auch auf Bund und Länder;
- Die Arbeit der örtlichen Rettungs-und Hilfsorganisationen wurde von der grossen Mehrheit als mindestens ausreichend befunden;
- Ebenso überwiegend ist die Meinung, dass die Arbeit der übergeordneten Institute und Behörden noch verbesserungswürdig ist.
Allerdings kann man sich fragen, ob die Antworten, z.B. mit der Betroffenheit (erfahrener Schaden) zu tun haben:
Die sieben durch das Hochwasser geschädigten Haushalte verteilen sich auf mehrere Orte, wobei Holle drei Mal genannt wird. So schätzen ausnahmslos alle diese Teilnehmer das Bedrohungspotential in ihren Orten als hoch ein. Allerdings sind die Ansichten über den Einfluss des Klimawandels auch hier geteilt.
Alle Personen, ausser einer, die ihr Haus gegen Hochwasser vorbereitet oder geschützt haben, wissen, dass sie in einer hochwassergefährdeten Zone wohnen. Interessant ist allerdings, dass sich immerhin 9 Personen, obwohl sie vorgeben zu wissen, in einer hochwassergefährdeten Zone zu wohnen, ihr Haus nicht geschützt haben.
Man sieht also an diesen Beispielen, dass es keine eindeutigen Beziehungen zwischen der eigenen Erfahrung durch Hochwasser und dem Wissen und den Ansichten zur Hochwasserbedrohung gibt.
Eine genauere statistische Analyse wird noch folgen. Die Grundstatistiken zu den Antworten finden Sie auf folgender Seite. Sollten Sie noch Fragen zu dieser Befragung und deren Ergebnissen haben, wenden Sie sich bitte an J. Krywkow (jkrywkow|at|seeconsult.org, bitte ersetzen Sie das |at| mit einem @ in der Mailadresse). Wir bitten diese Spamschutzmassnahme zu entschuldigen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Seeconsult-Team